Norwegen Skandinavien

Rjukan-in Norwegen schrieb Welt-Geschichte

Am Rand der Hochebene Hardangervidda im südlichen Norwegen befindet sich das Wasserkraftwerk Vemork im tiefen Tal des kleinen Bergstädtchens Rjukan. Hier wurde vom Betreiber Norsk Hydro ab 1911 das größte Wasserkraftwerke der Welt seiner Zeit betrieben.

Mit der Wasserkraft wurde einfacher Kunstdünger für die Landwirtschaft produziert, bis zu dem Tag an dem die Nazis einmarschierten. Sie wollten an ein elementares Produkt kommen, was zur Herstellung der Atombombe wichtig war: Schweres Wasser

Vermork war der einzige Ort in Reichweite der Nazis, an dem per Elektrolyse Schweres Wasser hergestellt werden konnte. Die deutsche Wehrmacht erklärte somit im Frühjahr 1940 das Kraftwerk Vemork zur Sperrzone.

Rjukan & Gaustatoppen

Rjukan´s Beginn vom Aufstieg

Wir befinden uns Rjukan, einer kleinen Gemeinde im südlichen Teil Norwegens der Provinz Telemark. 59° 53′ N , 8° 36′ O

Die Gemeinde mit ca 4000 Einwohnern, liegt in einem engen Tal und im Schatten des Gaustatoppen (1883 m), der zugleich der höchste Berg in der Telemark ist und auch gerne von Touristen besucht wird.

„Der Berg beinhaltet eine einzigartige und spannende Sache: Aber dazu später mehr.“

Rjukan war ursprünglich ein kleines und armes Dorf mit knapp 50 Einwohnern, bis Samuel Eyde die Idee hatte, die Kraft des 104 m hohen „Wasserfalles Rjukanfossen“ zur Energiegewinnung zu nutzen.

Er wollte Kunstdünger für die Landwirtschaft herstellen und diese war sehr Zeitaufwendig. Dazu benötigte man sehr viel Energie, die der Wasserfall liefern sollte.

Sam Eyde ließ ein Kraftwerk  oberhalb von Rjukan am Rjukanfossen bauen um mit der Produktion von Kunstdünger beginnen zu können.

Rjukan I, wie das Kraftwerk genannt wurde, ist besser bekannt unter dem Namen Vemork.  Nachdem Vemork fertigestellt war, wurde sofort damit begonnen Rjukan II zu bauen um noch grössere Energiegewinnung zu erzielen.

Es ist das Kraftwerk Såheim und ist im Neoklassizistischen Stil gehalten: Eine typische Bauweise zu dieser Zeit.

Rjukan II Såheim

Damals & Heute

Es kamen immer mehr Menschen nach Rjukan um zu arbeiten. So mussten also Häuser, Wohnungen sowie wichtige Einrichtungen, wie z.B. ein Krankenhaus, Feuerwehr etc. errichtet werden.

Die Energie-Firma Norsk Hydro investierte immer wieder viel Geld: In kulturelle Einrichtungen und soziale Gebäude für die wachsende Stadt.

Das fast unveränderte Stadtbild aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts, welches aus zahlreichen verschiedenfarbigen Holzhäusern besteht, kannst noch du heute begutachten.

Dir werden die zahlreichen und großen Villen auffallen, die damals von den Forschern und Industriellen bewohnt wurden.

Sam Eyde

Nachdem Rjukan durch den Gründer des Wasserkraftwerkes Sam Eyde zu einer wichtigen Industriestadt in Norwegen aufgestiegen war, lebten bereits 1917 rund 10.000 Menschen hier.

Sam Eyde hatte mit seiner Idee einen großen Anteil an dem Erfolg und dem Wachstum von Rjukan und ihm zu Ehren, haben die Bewohner der Stadt eine Denkmal gesetzt.

Die Statue kannst du dir auf dem Marktplatz im Zentrum der Stadt anschauen.

Wandern in der Nähe von Rjukan

Rjukan ist heute vom Tourismus geprägt und ist Ausgangspunkt für zahlreiche Aktivitäten. Du kannst auf den Gaustatoppen oder in die Hardangervidda wandern.

Wenn du gerne mit dem Rad unterwegs bist, dann bietet Rjukan die schönsten Fahrradstrecken in ganz Norwegen an.

In der Wintersaison kannst du hier mit Skiern den Abhang hinunterfahren oder in aller Ruhe die Langlaufloipen nutzen.

https://www.visitrjukan.com/en/things-to-do

Sonne satt im Tal

Der Ort Rjukan ist so sehr von den Bergen eingeschlossen, das hier die 6 Monate von Oktober bis März, die Sonne den Talboden einfach nicht erreicht.

Die Norweger sind aber erfinderisch und haben 2013 drei Heliostaten (3 Spiegel mit je 17 m² Fläche) errichtet, die in dieser Zeit Sonnenlicht auf 600 m² Fläche am Marktplatz spiegeln.

Hier können sich die Bewohner im Winter dann eine kleine Dosis Vitamin D abholen und das völlig umsonst.

https://www.visitrjukan.com/en/attractions/the-sunmirror-in-rjukan

Eine Seilbahn aus Deutschland

Bereits 1928 die Krossobanen für die Menschen in Rjukan errichtet, damit sie im Winter oben auf dem Berg ein paar Sonnenstunden genießen konnten. Nichts war schädlicher für die Arbeiterstadt Rjukan: Menschen mit Depressionen oder schlechter Laune.

Sie wurde 1928 von Adolf Bleichert & Co. aus Leipzig-Gohlis erbaut und war ein Geschenk der Firma Norsk Hydro an die Einwohner Rjukans.

Dies ist die älteste und erste Seilbahn in Nordeuropa und bis heute immer noch im Einsatz. Von der Seilbahn-Station hoch oben, hat man eine fantastische Aussicht auf das Tal mit der Ortschaft Rjukan, dem Kraftwerk Vermork und dem Gaustatoppen.

Es bietet es sich an von hier oben aus, eine kleine Wanderung (30 Min) zum Hardangervidda-Plateau zu unternehmen . Das Hochplateau ist das größte in Europa mit 8.000 km² und eines der beliebtesten Reiseziele in Norwegen für Wanderer und Outdoorliebhaber.

https://www.visitrjukan.com/en/attractions/krossobanen

Welterbe in Rjukan

Heute wird im alten Wasserkraftwerk Vermork seit den siebziger Jahren keine Energie mehr produziert. Die Norweger lieben es in die Berge Höhlen und Tunnel zu graben so das das neue Kraftwerk innerhalb des Berges verbaut wurde.

Vermort „Rjukan I“ ist heute ein Arbeitermuseum und zugleich ein UNESCO-Welterbe. Neben der spannenden Geschichte rund um die Energiegewinnung in Norwegen und Rjukan, findest du auch eine ausführliche Ausstellung der Sabotageaktion vom 2.Weltkrieg.

„Mehr darüber, findest du in diesem Beitrag weiter unten. Also dran bleiben, es wird spannend.“

Die alten und  großen Turbinen stehen zwar still aber du kannst sie dir in der großen Turbinen-Halle anschauen. Die größe der Anlage ist heute noch beeindruckend und sehr spannend.

Im Museum findest du ein Café und einen Museumsladen in dem du auch das berühmte Schweres Wasser in kleinen Fläschchen kaufen kannst.

https://www.visitrjukan.com/en/attractions/vemork

Kraftwerk Vemork

Hausruine im der Schlucht

Turbinenhalle

Gaustatoppen

Ein weiteres Highlight in der Umgebung von Rjukan ist die Gaustabanan, mit der du in 15 Min auf den Gipfel des Gaustatoppen hochfährst.

Die Bahn, die mitten in den Berg gebaut worden ist, war lange Zeit ein Geheimnis. Die Gaustabanan besteht aus zwei Sektionen.

Die erste Bahnstrecke bringt dich ca. 860 horizontal hoch hinein in den Berg. Mitten im Berg befindet sich eine Zwischen- und Umladungsstation von der du dann mit der zweiten Bahn im Berg auf den Gipfel gebracht wirst.

Die Bahn wurde zwischen 1954 und 1959 gebaut geworden und sollte Touristen zum Gipfel befördern. Doch in Zeiten des kalten Krieges, wurde die Bahn Geheim gehalten und erst 2010 für die Bevölkerung freigegeben.

Die Gaustabanan ist etwas Einmaliges in dieser Art in der Welt und wird nur wenige Wochen im Jahr betrieben.

https://www.visitrjukan.com/en/attractions/gaustabanen

Gaustabanan

Wir sind noch nicht fertig

Du hast nun einen kleinen Überblick bekommen, wie Rjukan aussieht und was man dort so entdecken kann.

„Schreibe doch gerne einen Kommentar oder Frage, wenn du mehr wissen möchtest!“

Nun geht es weiter mit einer spannenden Geschichte aus dem 2. Weltkrieg, in der Rjukan eine besondere Rolle gespielt hat.

Die Story wurde mehrmals verfilmt und in zahlreichen Büchern festgehalten. Eine gute Kurz-Serie aus Norwegen können wir dir hier empfehlen. Wirklich spannend gemacht.

Klicke einfach auf das Bild!

Die Nazis brauchten „Schweres Wasser“

Nachdem man 1931 das schwere Wasser entdeckt hatte, begannen norwegische Forscher damit im Chemie- und Kraftwerk Vemork mit weiteren Forschungen und der Produktion.

Das schwere Wasser war für die deutsche Forschergruppe um die Physiker Otto Hahn und Werner Heisenberg immens wichtig. Es wurde gebraucht, um einen experimentellen Atomreaktor zu betreiben.

Später sollte das angereicherte Uran für eine deutsche Atombombe genutzt werden.

Rjukan und das Wasserkraftwerk Vemork wurden im 2.Weltkrieg zu einem immens wichtigen Standort für die Deutschen und die Alliierten wussten um die Bedeutsamkeit des schweren Wassers.

Die Produktion musste gestoppt werden und es begann die Stunde der Helden.

Operation Freshman

Die Alliierten hatten sich dazu entschlossen , norwegische Widerstandskämpfer zu unterstützen. Eine Gruppe Norweger, die gut mit Skiern umgehen konnten, bekamen eine Ausbildung in Großbritannien.

Zusammen mit einer Spezialeinsatztruppe des britischen Geheimdienstes wurden sie auf den Einsatz in der Telemark vorbereitet.

Ausrüstung, Waffen, Nahrung und Sprengstoff um die Produktionsanlage und die Bestände von schwerem Wasser in Vermork zu zerstören wurden ihnen zur Verfügung gestellt.

Mit zwei Lastenseglern und je zwei Schleppflugzeugen, wurde die Einsatztruppe von Skitten in Schottland aus nach Norwegen geflogen.

Die Operation Freshman schlug aber katastrophal aufgrund schlechter Wetterverhältnisse fehl. Im Sturm stürzten die Lastensegler samt einem Zugflugzeug im norwegischen Küstengebirge bei Helleland ab.

Die elf Überlebenden in Uniform wurden von den Deutschen Wehrmachtssoldaten gefangen genommen und hingerichtet.

Ein Teil der Wiederstandskämpfer überlebte in dem anderen Lastensegler, landete aber 15 Km weit weg vom geplanten Landeort, der Sandvass-Hütte.

Nun mussten sie in der Vidda vor den Nazis verstecken und erreichten erst einen Monat später die Hütte.

Die Helden der Telemark

Im kalten norwegischen Winter auf der Vidda mussten sie hier überleben und auf Verstärkung warten. Denn ohne die Unterstützung des britischen Geheimdienstes, war die Chance auf Erfolg gleich null. Das lange Ausharren auf den beginn der 2. Operation mit dem Namen Gunnerside hatte im Februar 1943 dann ein Ende.

Es wurden 6 neue Mitglieder aus der Kompanie Linge erfolgreich eingeflogen, die die anderen überlebenden Kameraden der ersten Operation Freshman aufsuchten um dann gemeinsam erfolgreich einen Teil der Anlage und Bestände in dem Kraftwerk Vermork mit Sprengstoff  zu zerstören.

Da die Deutschen Alles daran setzten um die Atomforschung voran zu treiben, wurde die Fabrik und das Kraftwerk nach nur einem halben Jahr wieder aufgebaut. Die Produktion von schwerem Wasser nahm wieder Fahrt auf.

Die Helden der Telemark

Um jeden Preis

Jetzt waren die Alliierten bereit, die Anlage Vermork zu bombardieren um die Nazis zu stoppen. Mit 160 Flugzeugen die vollgestopft mit Bomben waren, flog man in Richtung Rjukan. Es muss diese Nacht die Hölle gewesen sein für die Einwohner der kleinen Ortschaft.

Da die Anlage von Vermork unter einer meter dicken Betonplatte lag, wurde die weitere Produktion durch das Bombardement nicht beeinträchtigt. Nur die Gebäude darüber wurden schwer beschädigt.

Nun setzten die Deutschen alle Hebel in Kraft um die Produktionsstätte nach Deutschland zu verlegen und die letzten Bestände aus Rjukan zu holen. Dazu mussten die Fässer mit dem schweren Wasser über den See Tinnsjå transportiert werden.

Ein norwegischer Widerstandskämpfer bekam von den Alliierten den Befehl per Funk, dass Schiff  Hydro, auf dem See mitsamt ziviler Personen und der Ladung von Fässern, mit Sprengstoff zu versenken.

Die Deutschen mussten nun Alles aufgeben und zogen sich aus Rjukan endgültig zurück und das Atomprogramm war gescheitert.

https://www.visitrjukan.com/en/theme/the-heavy-water-war

Anreise nach Rjukan

Mit der Bahn

Seit der Stilllegung der Rjukanbahn ist eine Anreise mit der Bahn nach Rjukan nicht mehr möglich. Für Reisende aus Richtung Oslo ist in Kongsberg der nächstgelegene Bahnhof, von dort bestehen Busverbindungen nach Rjukan.

Außerdem bietet der Bahnhof in Nordagutu an der Bradsbergbanen eine Anreisemöglichkeit mit Busanschluss.

Mit dem Bus

Aus Richtung Oslo erreicht man Rjukan mit dem Bus aus Kongsberg (1:30 h Fahrtzeit ab Kongsberg).

Von der Südküste kommend nimmt man ab dem Bahnanschluss in Nordagutu den Bus (ca. 1:40 h Fahrtzeit).

Aus Notodden sind es 1:10 h Fahrtzeit nach Rjukan.

Mit dem Auto

Rjukan erreicht man über die Landstrasse Nr.37 von Kongsberg oder von Åmot aus.

Von Oslo sind es ca. 180 km nach Rjukan und die Fahrzeit beträgt ca. 2,5 Std.

Von Kristiansand über Åmot beträgt die Entfernung ca. 285 km.

Es lohnt sich ein Besuch

Die kleine Stadt Rjukan am Rande des Hardangervidda ist auf jeden Fall eine Reise wert. Du wirst nicht enttäuscht sein und die historische Geschichte, macht deinen Urlaub nochmal extra spannend.

Es gibt zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten und einen Campingplatz in Rjukan, der für Wohnmobil und Zelt geeignet ist.

 

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Helene & Andre

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